Der letzte seines Namens

Die Bestattung von Johann Albrecht Andreas Adam Rieter (1677-1753) in der Kalbensteinberger Gruft

Unsere Kalber Kirche verdanken wir der Patrizierfamilie Rieter, die dort auch ihre Grablege hatte. Ende November wird der Toten- oder Ewigkeitssonntag begangen, der Blick also auf die Vergänglichkeit gelenkt. Vielleicht kann dies ein guter Anlass sein, sich einmal mit dem Aussterben der Rieter im Mannesstamme durch den Tod des letzten männlichen Namensträgers 1753 zu beschäftigen. Der Damalige Pfarrer Johann Christoph Esper (1748 bis zu seinem Tod 1791 Pfarrer hier in Kalbensteinberg) gibt uns durch seine Beschreibung in einem der Kirchenbücher einen interessanten Einblick in den Ablauf der Überführung und Bestattung von Johann Albrecht Andreas Adam Rieter. An ihn erinnert auch die von Rokoko-Stuck umrahmte Grabplatte aus Altdorfer Marmor mit ihren Versteinerungen links vom Hochaltar in der Kirche. In lateinischer Sprache wird der Verstorbene von seiner zweiten Ehefrau, einer geborenen von Buchenau, betrauert. Diese starb dann erst im Jahr 1782 und wurde als letzte Namensträgerin überhaupt in der Gruft begraben. Dem aufmerksamen Betrachter fällt auf, dass darüber das Rieter‘sche Familienwappen angebracht ist, freilich umgedreht: Es ist ein sogenanntes gestürztes Wappen, das auf das Aussterben der Familie verweist. Lassen wir also die Toten in der Gruft in Frieden ruhen!

Rieter-Epitaph mit gestürztem Wappen

Das gestürzte Familienwappen steht symbolisch für das Aussterben des Geschlechts (Foto: Thomas Müller)

Der Text des Bestattungseintrages aus den Kalber Kirchenbüchern ist buchstabengetreu wiedergegeben, also nicht ganz leicht lesbar. Er bekommt damit aber eine starke Authentizität – man kann sich den Leichenzug in der Dunkelheit und im Fackelschein sehr gut vorstellen. Ergänzt wurden lediglich die nur verkürzt angegebenen Bibelzitate.

 

„Der Reichs unmittelbar hochwohlgebohren Freyherr, Herr Joh. Albrecht, Andreas, Adam Rieter von Kornburg und Kalbensteinberg, Romisch kayserlicher wircklicher Rath und einer unmittelbaren Reichs freyen Ritterschafft Landes zu Francken loblichen Orts an der Altmühl hoch erbetener Ritterhauptmann, der lezte seines Namens, unser gnädiger lieber Herr in Kornburg residirend ist am Freytag den 9 Febr. zu fruh gleich nach dem Aufstehen vom Schlaff bey dem Nachttisch mit einem hefftigen Zittern der glieder, wovon er eingesuncken, befallen worden, und ob man gleich die dreulichsten Mittel von S[einer] T[urchlaucht] Herrn Hof Rath Treu in Nurnberg gebrauchte, bald darauf nehmlich am 13 Febr. zu früh um halb weg 2 Uhr sanfft und seelig in Kornburg gestorben seines rühmlichsten und loblichsten lebens 76 Jahr und 13 Tage. Es hat sich der hochseelige Herr in die hiesige Grufft beysezen lassen. Da es also gehalten wurde am 20ten Febr. als dem tag der beerdigung. Der leichnahm wurde auf einen sechß spännigen trauer Wagen, neben welchen 12 personen aus kornburg gingen, und das leichen tuch hielten, und 4. rittern, hinter ihr aber 4 kutschen mit 4 Pferden bespannt folgten, durch Schwobach, wo geläutet worden, über Wassermungenau, und Ober Erlbach, wo wieder geläutet worden, auf das Espan bey der Hessen Mühl gebracht. Dahin ist man von hier aus mit der Procession Abends um 5 Uhr in beyseyn dreyer h[erren] geistlicher, so viel Schulmeisters und des ganzen gerichts gegangen. Auf dem Plaz wurde vor der leiche gesungen das lied: Machs mit mir gott nach deiner güt. Worauf man in folgender ordnung hiesigen ort zugefahren. 1. giengen zwei Wachß Creutz fackel darnach ein Marschall. Hierauf das Creutz. Hinter diesen die kinder und sänger, die 3. h[erren] Schulmeister, und 3 Geistliche in zwey gliedern, auf diese folgten 2. Creutz fackeln. Darnach wieder ein Marschall, endlich der trauer Wagen mit seinen 6 Pferden neben welchen 12. träger giengen u. das tuch hielten: Hinter dem Sarg wurden 3. bersonen im leyd gefiehret, welchen vorgiengen 2. Creutz Wachß fackeln, und auf sie folgten das hiesige gericht und die Vier Kutschen. Vom Anfang biß zum End der Procession waren an der Seite leute mit Pech fackeln biß achtzig, die alle flor trugen, und was Creutz fackeln waren, noch ein Stuck flor um sich gebunden hatten. Im heraufgehen wurden alle glocken geläutet, auch gesungen: Ach wie nichtig ach wie etc. Ach was ist doch unser leben etc. Wer weiß wie nahe mir mein Ende et Alle Menschen müssen etc. Auf dem plaz vor der Kirch wurde der Sarg vom trauer Wagen gehoben, und auf die baar gebracht von dar von zwolffen, 6 aus kornburg, und 6. von hiesigem gericht in die kirche getragen, daselbst auf ein Castrum doloris, so mit bey wie auch die 3 Altäre Canzel, Chörlein, und Orgel, überzogen war. Um den Sarg, welcher aus besorgnuß, es möchte der leichnahm nicht darnach beschaffen seyn, nicht aufgemacht wurde, stunden 16 wachß lichter in silbernen leuchtern auf Koradons. Zu fussen standen 2. und zum Haupt eben soviel Marschäle, in der kirche wurde mit Einstimmung der orgel das lied gesungen O Jesu Christ meins lebens licht, darnach eine trauer Rede auf dem Altar gehalten über die Worte Thren. [= Klagelieder Jeremias] 5. 15. 16. Unseres herzens [Freude hat ein Ende, unser Reigen ist in Wehklagen verkehrt. Die Krone ist von unserem Haupt] abgefallen, hierauf Personalia gelessen, nach diesen das lied gesungen Es traget mich den immerhin etc. unter welchen der Sarg biß zum Einlaß Stein der grufft gebracht, mit Seegnen bemeläbet, und unter dem lied Nun last uns den leib begraben eingesencket zwey Vers ubrig gelassen, hernach der Seegen gesprochen, und mit Absingung derselben gottlob der ganze actus glucklich um 10 Uhr des Nachts beschlossen wurde. Der theuerste herr hat seinem Geschlecht ein Ende gemacht, aber so rühmlich gelebet, daß der Nach Klang bleiben wird. Ja gott lasse ihn als einen loblichen Regenten, der viel zur Gerechtigkeit gewesen leuchten wie die sterne immer und ewiglich. Amen.

N[ota] B[ene:] nach der trauer Rede 5. Wochen hernach an einem Sonntag am 25ten Mertz ist von der hohen Ritterschafft eine besondere gedachtnuß Predigt anbefohlen, und über Phil. 3 V. 20. 21. Unser Wandel [aber ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus, der unsern nichtigen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge] unterthanig machen [kann.] um gedachte zeit doch ohne alle procession und sonstigen Ceremonien gehalten worden.“ 

Quelle: PfM Kalb. Bd. 6, S. 117-119                                                             Daniel Schönwald

Rieter-Kupferstich

Johann Albrecht Andreas Adam Rieter von und zu Kornburg und Kalbensteinberg, Kupferstich um 1760 von Joh. W. Windter (Pfarrarchiv Kalbensteinberg, Foto: Thomas Müller)

Rieter-Epitaph

Das Epitaph für den letzten Rieter – in lateinischer Sprache und aus Altdorfer Marmor mit Fossilieneinschlüssen, darüber das gestürzte Familienwappen (Foto: Thomas Müller)

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