Auf den Spuren der Kalwenberger

Burgenwanderung2015_62

Wanderung mit Ralf Rossmeissl zu den Burgställen „Sandescron“ und „Silberburg“ bei Kalbensteinberg.

Am äußersten Ende der Kalbensteinberger Gemarkung befanden sich, im Dreieck der Rezatschleife bei Hohenrad, die mittelalterlichen Burganlagen „Wernfels“, „Sandescron“ und „Silberburg“. Als Grund für diese Häufung am Rande des Nürnberger Beckens wird zum einen der Grenzbereich verschiedener Lokalmächte (Abenberg, Truhendingen, Nürnberger Burggrafen, Hochstift Eichstätt, Kloster Roggenburg) sowie der Verlauf wichtiger Handels- und Heerwege im Mittelalter angenommen. Die beiden letzteren Burgställe wurden am 19. Dezember 2015 durch eine Wandergruppe, geführt von Ralf Rossmeissl vom Freilandmuseum Bad Windsheim, erkundet.

Vom Treffpunkt Nagelhof aus ging es steil einen Hohlweg hoch zum Burgstall mit dem lyrischen Namen „Sandeskron“, der Krone des Sandes. Die Burg wird 1295 in einer Verkaufsurkunde des Nürnberger Burggrafen Konrad II. erstmals erwähnt, um schon kurz darauf wieder von der Bildfläche zu verschwinden. Der Käufer der Burg, das Hochstift Eichstätt, hatte offensichtlich kein Interesse an ihrem weiteren Erhalt. Das Mauerwerk wurde bis auf Reste des Bergfrieds abgetragen und vermutlich zum Bau der Spalter Stadtmauer verwendet, wie ein Vergleich der Steinmetzzeichen vermuten lässt.

Fast geheimnisvoller zeigt sich der westlich davon und bereits auf Kalbensteinberger Flur gelegene Burgstall „Silberburg“. Weder ihr ursprünglicher Name ist historisch überliefert (der Name „Silberburg“ taucht erst gegen Ende des 19. Jh. auf), noch ihre damaligen Besitzer. Es wird aber vermutet, dass sie durch den ehemaligen Kalbensteinberger Ortsadel erbaut wurde, worauf die Lage innerhalb der Gemarkung hinweist. Im Gegensatz zu „Sandescron“, erbaut vom mächtigen Nürnberger Burggrafen, waren die finanziellen Mittel des niedrigen Dorfadels – nennen wir sie mal die „Kalwenberger“ – beschränkt. Darauf deutet u.a. hin, dass dort keine Reste teurer Baumaterialien wie gebrannter Hohlziegel oder behauener Quader zu finden sind. Man muss sich die Burggebäude vielmehr bestehend aus Bruchsteinen und Fachwerk vorstellen, die Dächer mit Stroh oder Holzschindeln gedeckt. Dass dort trotzdem ein Stück weit höfisches Leben gepflegt wurde, beweist der Fund eines Handwaschgefäßes (Aquamanile) in Form eines Reiters. Weitere Keramikfunde belegen einen Zeitraum von 1100 bis 1300/1350. Angesichts dieser Zeitspanne wird die Burg an dieser Stelle wohl ihre Berechtigung gehabt haben. Möglicherweise führte eine Alternativroute der „Ulmer-“ oder „Weinstraße“, einer wichtigen Heer- und Handelsstraße, über die Höhe von Kalbensteinberg nach Gunzenhausen.

Burgenwanderung2015_61

 

Text: Thomas Müller

Fotos: Friedrich Wißmüller

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