„Kirchen zu Absberg eingeweihet“

Die Absberger Christuskirche im Wandel der Zeit – Frühe Aufzeichnungen eines Kalbensteinberger Pfarrers

Die Christuskirche wurde 1597 – 1598 als eine der ersten rein evangelischen Kirchen im Landkreis erbaut. Von Absberg, das vermutlich schon 1533 die Reformation einführte, gibt es über die evangelischen Pfarrer in der Zeit vor 1600 allerdings so gut wie keine Informationen. Aufgrund von Erbstreitigkeiten nach dem Absterben derer von Absberg ist der Verbleib von Salbüchern und anderen wichtigen Aufzeichnungen weitgehend unklar. Ein Teil davon findet sich heute immerhin unter den Archivalien des Deutschen Ordens (DO), vieles aber gilt als verloren.

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Im Pfarrarchiv unserer Nachbargemeinde Kalbensteinberg wurde jedoch vor wenigen Jahren ein Büchlein entdeckt, das die Erbauung der Absberger Kirche mit einigen Daten reflektiert. Es handelt sich um eine Art Tagebuch des Pfarrers Johann Hartung aus seiner Dienstzeit in Kalbensteinberg von 1562 bis 1600.

So lesen wir aus einer Zeit, in der wir sonst keine Nachricht über die Absberger Pfarrer haben: 3. Februar 1572: „Zu Absberg das erstemal gepredigt, den Junckherrn [Junker] sambt der frauen mit dem abendtmal versehen.“ Offensichtlich war die Absberger Pfarrstelle zu dieser Zeit vakant und wurde durch Hartung mitverwest. Wir erfahren aber auch Persönliches. Am 15. November 1572* berichtet Hartung vom Tod Hans Veits: „Mein gutter freundt Hannß Veit von Absberg gestorben.“ Also versah der Pfarrer nicht nur seinen Dienst in Absberg, sondern schien zudem auch ein freundschaftliches Verhältnis zur dortigen Herrschaft zu pflegen.

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Auch 1581 war die Absberger Pfarrstelle wieder vakant. Hartung notiert: „Mich bewilligt die Pfarr Absperg ein halb Jar helffen zu versehen, so vil mir müglich ist.“ Und einige Monate später ist er abermals zu einem Gespräch „zu Absperg beim Herrn Veitt Marschalck gewest, von weg[en] der Pfarrein zu Absperg.“ Erst 1588 fand sich offensichtlich ein Geistlicher für die Pfarrstellen in Absberg und Thannhausen, für das die Herren von Absberg ebenfalls das Patronatsrecht besaßen: Am 18. Februar „hab Ich, Johann Hartung, Herrn Sebastian Feynern zum Pfarherr zu Absperg ordiniert, unnd confirmiert neben dem zu danhaußen [Thannhausen].“

Bautätigkeiten um 1600

Bereits 1595 lässt Ritter Hans Conrad von Absberg, etwa südwestlich des heutigen DO-Schlosses in Richtung Marktplatz, ein als „Schloss“ bezeichnetes größeres Herrenhaus errichten (etwa an der heutigen DO-Gartenmauer am Marktplatz). Wenige Jahres später schon folgte gleich gegenüber der Bau der Kirche, die 1598 fertig gestellt wurde.

Eingeweiht wurde sie dann zu Beginn des Jahres 1599 (vgl. auch Jahreszahl am Altar). Hartung berichtet davon mit einem knappen Eintrag: „18. Januar 1599: Kirchen zu Absberg eingeweihet.“ Damit erfahren wir aus erster Hand das genaue Datum der Einweihung der Absberger Kirche, die unter dem Patronat „IHS [= Jesus] Christus Salvator Mundi Huius Ecclesiae Patronus“ steht: „Jesus Christus, der Retter der Welt, ist (sei) der Patron dieser Kirche“. In der Zeit Pfarrer Eyseleins (1975 – 1990) erhielt das Gotteshaus dann erst die offizielle Bezeichnung „Christuskirche“.

Aber zurück zu Pfarrer Hartungs Notizen. Hier finden sich noch zwei weitere knappe Einträge Absberg betreffend: „13. September 1599: Den Zug von Absperg hirher [nach Kalbensteinberg] geführt.“ und „6. Februar 1600: Dem Absperger 17 fl. [Gulden] bezalt für den Zug.“ Was könnte mit dem „Zug“ gemeint sein? Dass es sich um einen (Fest-)Umzug handelt, kann wohl ausgeschlossen werden. Vielmehr wird damit eine Art Flaschenzug oder Kran zum Heben von Baumaterial gemeint sein, der nach Abschluss der Absberger Bauarbeiten nach Kalbensteinberg verkauft wurde, wo im gleichen Jahr mit dem Bau eines neuen Pfarrhauses begonnen wurde. Folgende Einträge unterstreichen dies: „20. Juni 1599: Angefangen das holtz zum pfarrhauß zu fellen.“ Am 3. Juli waren bereits die „Steinbrecher zu Spalt“ vor Ort. Interessant ist auch, dass es in Absberg wie in Kalbensteinberg in der Zeit um 1600 seitens der Herrschaft zu regen Bautätigkeiten in den Dorfzentren kam. Für Kalbensteinberg waren es der Neubau des Pfarrhauses 1599 – 1602, des rieterischen Herrenhauses um 1603, des Gasthauses „zum Lamm“ 1612/13 sowie die umfassende Kirchenrenovierung 1609-1613.

Wie anhand dieser Notizen zu sehen ist, gab es also auch bereits in weit zurückliegender Vergangenheit bereits immer wieder engere Beziehungen zwischen den beiden Orten, die schließlich 1978 unter dem Dach einer gemeinsamen politischen Gemeinde vereint werden sollten.

Die Christuskirche im Wandel der Zeit

Wie bereits erwähnt, wurde die Absberger Kirche als rein evangelisches Gotteshaus erbaut – neben der in Polsingen eine der ersten in unserer Gegend. Das Gebäude ist hier bereits von Renaissance-Einflüssen geprägt, jedoch ist nach wie vor auch eine für Dorfkirchen typische Rückbesinnung auf die Spätgotik zu erkennen. Im Lauf der Jahrhunderte erfuhr die Kirche immer wieder größere Veränderungen. So erhielt sie bei einer Renovierung 1721 die heute zu sehende, beschwingt gewölbte, „Spanische Haube“. Welche Turmhaube ursprünglich vorhanden war, ist nicht mehr feststellbar. Sehr wahrscheinlich war sie aber noch spitz ausgeführt (vgl. Konrad Bedal – Dorfkirchen in Franken, 2015). 1884 erfuhr die Kirche eine grundlegende Überarbeitung. Im Zuge der Modeerscheinung der Neugotik musste der steinerne Renaissance-Altar einer „geschmacklosen Schreinerarbeit“ im neugotischen Stil weichen, wie der ehemalige Absberger Pfarrer Wilhelm 1926 beklagte. Auch der restliche Innenraum war nach seiner pseudogotischen Umgestaltung kaum wiederzuerkennen. Zum Glück haben die Absberger aber ihren ursprünglichen Altar aufgehoben, sodass er nach der Entfernung der neugotischen Ausstattung 1958 wieder aufgebaut werden konnte.

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1998 feierte die evangelische Gemeinde 400 Jahre Christuskirche. Doch selbstverständlich gab es auch bereits vorher ein Gotteshaus im Ort. Bereits zwischen 1057 und 1075 wurde von Bischof Gundekar II. von Eichstätt eine neue Kirche in Absberg geweiht. Die Kirche – oder vielmehr Kapelle – stand weiter westlich im Ort oberhalb des Friedhofs und wurde bereits Anfang des 19. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit abgebrochen. Geweiht war sie dem hl. Cyriakus und der hl. Ottilie. Das Patronat der hl. Ottilie ist dann auf die Rokoko-Kapelle im Deutschordensschloss übergegangen (vgl. Ottilienheim).

Simultaneum – evangelisch und katholisch in einer Kirche

Zum Ende des 30jährigen Krieges wurde 1648 der Religionsfrieden festgeschrieben. Auch in Absberg durften daher bald beide Glaubensrichtungen nebeneinander gelebt werden. Bis 1834 teilten sich die beiden Gemeinden die Christuskirche für Ihre Gottesdienste, was nicht ohne manche Missstimmigkeit gelang. 1834 ergab sich schließlich die Gelegenheit für die katholische Gemeinde, die Kapelle im Deutschordensschloss anzukaufen. Sie verfügte somit über ein eigenes Gotteshaus. 1835 kam eine Vereinbarung über das gemeinschaftliche Kirchweihfest der evangelischen und katholischen Gemeinden zustande. Es sollte am zweiten Sonntag im Oktober stattfinden (Allerweltskirchweih). Später wurde diese Handhabung jedoch wieder aufgegeben.

Absberg hat trotz einiger Konflikte insgesamt ein gutes Bild für die Ökumene abgegeben. So durften während der Renovierung der ev. Kirche 1851 die Gottesdienste in der kath. Schlosskirche abgehalten werden – und umgekehrt 1859 im evangelischen Gotteshaus. Und auch heute noch steht Absberg für ein ausgewogenes und herzliches Verhältnis beider Kirchengemeinden.

Thomas Müller


* Als Sterbejahr Hans Veits gibt Hartung 1572 an, in anderen Quellen dagegen wird 1575 angenommen. Bei Tag und Monat dagegen (15. November) stimmen alle verfügbaren Quellen mit Hartung überein. Ist die Frage, ob sich nun Hartung als direkter Zeuge tatsächlich getäuscht hat, wogegen die chronologische Reihenfolge seiner Aufzeichnungen sprechen würde. Andererseits scheint das „Extract“ eine komprimierte Abschrift einer Sammlung möglicherweise mehr oder weniger loser Notizen zu sein, was beim Übertragen in Reinschrift durchaus die Möglichkeit für Vertauschungen birgt. [Pfarrarchiv Kalbensteinberg, PfA 154, 0071, rechts]

Quellen und Literatur:

Gotthard Kießling – Denkmäler in Bayern, Lkr. WUG, S. 18-19

Pfarrer H. Wilhelm – Die Edlen von und zum Absberg, 1926, in: Alt-Gunzenhausen, Heft 8, Verein für Altertums- und Heimatkunde Gunzenhausen, 1931

Siglinde Buchner – Unsere Gemeinde Pfofeld zwischen Limes und Brombachsee, 2009, S. 58 ff

René Richter – 400 Jahre Christus-Kirche Absberg 1598 – 1998, 1998

Daniel Burger – Absberg, Adelsfamilie, in: Historisches Lexikon Bayerns (online, 18.09.2016)

https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Absberg,_Adelsfamilie

Pfarrarchiv Kalbensteinberg, PfA 154/0066-0105

Thomas Müller – Extract des Pfarrer Hartung 1562 – 1600, Materialien zur Ortsgeschichte, Heft 1, 2016 (Die 78 Seiten umfassende Transkription ist in gebundener Form über den Autor erhältlich.)

 

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